Teure Fahrradstation, kaum genutzt: Goch muss genauer auf sein Geld achten
Was die Verwaltungsantwort über Kosten, Buchungen und geplante Nachbesserungen zeigt.

Über 156.000 Euro Baukosten, durchschnittlich nur drei bis fünf gebuchte Plätze und bisher gerade einmal 335 Euro Einnahmen: Die Antwort der Stadtverwaltung vom 1. Oktober 2026 auf meine Anfrage vom 22. September zeigt deutlich, wie schlecht die Fahrradgarage am Balfourweg bisher angenommen wird.
Die Verwaltung bestätigt selbst, dass die Anlage auch nach einer ausreichenden Erprobungsphase keine ausreichende Akzeptanz aufweist. Für mich stellt sich deshalb die Frage: Wurde hier am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant?
Geringe Buchungsquote
Seit Ende Januar 2026 ist die Anlage nach Angaben der Verwaltung in Betrieb. Sie bietet 40 gesicherte Fahrradstellplätze. Dazu kommen 18 frei zugängliche Plätze außerhalb der Garage.
Von den 40 gesicherten Plätzen sind nach Angaben der Verwaltung durchschnittlich nur drei bis fünf gebucht. Das entspricht einer durchschnittlichen Buchungsquote von 7,5 bis 12,5 Prozent.
Insgesamt wurden bisher 118 Buchungen verzeichnet. Für ein Projekt dieser Größenordnung ist das aus meiner Sicht ein ausgesprochen schwaches Ergebnis.
Hohe Kosten und laufende Ausgaben
Die Baukosten betragen 156.125,43 Euro. Dabei handelt es sich um die gesamte Station einschließlich Tiefbau, außen liegender Anlehnbügel, Reparaturstation und Überdachung. Die Personalkosten für die intern erbrachte Planung sind in dieser Summe nicht enthalten.
Allein für Wartung, Support, Betrieb, Instandhaltung und Software nennt die Verwaltung jährliche Kosten von zusammen 4.423,23 Euro. Reinigung, Strom und Versicherung sind damit noch nicht vollständig beziffert.
Dem stehen bislang 335 Euro Einnahmen gegenüber. Diese Einnahmen stammen aus dem bisherigen Betriebszeitraum, während sich die genannten laufenden Kosten auf ein ganzes Jahr beziehen.
Die bisher genannten Einnahmen lassen keine Kostendeckung erkennen. Eine vollständige Jahresbilanz liegt allerdings noch nicht vor.
Fördermittel beantworten nicht die Frage nach dem Nutzen
Zur vollständigen Darstellung gehört: Nach Angaben der Verwaltung wird die Baumaßnahme zu mindestens 95 Prozent und möglicherweise vollständig durch Bundesförderung und Landesmittel finanziert. Die endgültige Anerkennung wird noch geprüft.
Es wäre deshalb falsch, die gesamten Baukosten als Belastung des Gocher Stadthaushalts darzustellen. Aber auch Fördermittel sind öffentliche Gelder. Eine hohe Förderung beantwortet weder die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen noch die nach den dauerhaft entstehenden Betriebskosten.
Aus meiner Sicht steht die bisherige Nutzung der gesicherten Fahrradgarage in keinem überzeugenden Verhältnis zum finanziellen Aufwand. Die Verwaltungsantwort wirft erhebliche Fragen zur Wirtschaftlichkeit auf.
Keine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung – zehn Autoparkplätze entfallen
Eine Potenzialanalyse für Fahrradstellplätze wurde erstellt. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gab es nach ausdrücklicher Auskunft der Verwaltung jedoch nicht.
Gleichzeitig sind durch die gesamte Maßnahme zehn Autoparkplätze weggefallen. Dafür entstanden insgesamt 58 Fahrradstellplätze.
Wie stark die 18 frei zugänglichen Außenplätze genutzt werden, geht aus der Antwort nicht hervor. Die geringe Buchungsquote betrifft ausschließlich die gesicherte Garage.
Für mich bleibt die Frage, ob Standort, Ausführung und laufende Kosten vor der Umsetzung ausreichend hinterfragt wurden.
Die Verwaltung schreibt, dass die Baumaßnahme politisch abgestimmt wurde. Deshalb müssen sich auch diejenigen, die dieses Projekt politisch unterstützt haben, der Frage stellen: Steht der bisherige Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten?
Jetzt soll weiter nachgebessert werden
Die Verwaltung plant zusätzliche bauliche Verbesserungen und ein Vermarktungskonzept. Unter anderem sollen eine Überdachung des Eingangsbereichs und ein Wetterschutz die Verschmutzung durch Vogelkot reduzieren. Häufigere Reinigungen haben laut Verwaltung bisher keine Verbesserung gebracht.
Ob und in welcher Höhe diese Maßnahmen zusätzliche städtische Mittel erfordern, geht aus der Antwort nicht hervor.
Eine Überprüfung des Standorts, des Betriebs oder einer anderen Nutzung ist zunächst nicht vorgesehen. Erst sollen weitere Verbesserungen umgesetzt und ausgewertet werden.
Ich halte diese Reihenfolge für fragwürdig. Bevor weitere Verbesserungen umgesetzt werden, müssen deren Kosten, Finanzierung und erwarteter Nutzen nachvollziehbar dargestellt werden. Auch mögliche Alternativen gehören auf den Tisch.
Goch braucht bessere Prioritäten
Nicht jeder öffentliche Fahrradstellplatz muss Gewinn erwirtschaften. Aber bei hohen Baukosten, laufenden Ausgaben und einer so geringen Buchungsquote muss kritisch nachgefragt werden.
Genau das gilt auch für weitere Anträge und Projekte, die öffentliche Gelder binden: Welche Nachfrage besteht wirklich? Welche Folgekosten entstehen? Gibt es eine günstigere Lösung?
Für 2027 kündigt die Verwaltung eine ähnliche Anlage am Bahnhof an und erwartet dort eine höhere Akzeptanz. Diese Erwartung sollte nachvollziehbar begründet werden. Die Erfahrungen am Rathaus müssen in die Planung einfließen.
Mein Standpunkt ist klar: Goch braucht sinnvolle Investitionen mit erkennbarem Nutzen. Fördermöglichkeiten allein reichen als Begründung nicht aus. Wir müssen genauer prüfen, wofür Geld ausgegeben wird – bevor gebaut wird und bevor weitere Kosten entstehen.
Quelle: Stadt Goch, Antwort des Bürgermeisters vom 01.10.2026 zur „Fahrradstation“ auf meine Anfrage vom 22.09.2026, Seiten 1–4. Buchungsquote: eigene Berechnung aus den Verwaltungsangaben.