Neuer Wirtschaftsförderer für Goch: Erst die Kosten, dann die Entscheidung

CDU, SPD und FDP fordern mehr Tempo bei der Besetzung. Doch angesichts der drohenden Haushaltssicherung müssen zunächst sämtliche Kosten und vertraglichen Verpflichtungen offengelegt werden.

Wirtschaftsförderung in Goch

Bereits in meinem ersten Artikel zur Gocher Wirtschaftsförderung habe ich mich mit der geplanten Besetzung der Geschäftsführung beschäftigt. Dabei ging es mir nicht um die Abschaffung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, sondern um die Frage, welche dauerhaften Kosten und vertraglichen Verpflichtungen mit der Einstellung eines neuen Wirtschaftsförderers beziehungsweise Geschäftsführers verbunden sind. Goch braucht eine aktive Wirtschaftsförderung, verlässliche Ansprechpartner für Unternehmen und bessere Voraussetzungen für neue Ansiedlungen.

Inzwischen haben CDU, SPD und FDP öffentlich mehr Tempo bei der Besetzung der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gefordert. Damit hat die Diskussion eine neue Aktualität bekommen.

Die entscheidende Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Welchen konkreten und messbaren Mehrwert bringt eine dauerhaft besetzte Geschäftsführung – und was kostet sie die Stadt insgesamt?

Die Haushaltssicherung rückt näher

Der Gocher Haushalt 2026 schließt nach Angaben der Stadt mit einem Defizit von rund 10,0 Millionen Euro beziehungsweise nach Abzug des globalen Minderaufwandes mit einem Defizit von rund 7,3 Millionen Euro. Eine Haushaltssicherung konnte bisher vermieden werden. Trotzdem ist offensichtlich, dass der finanzielle Handlungsspielraum der Stadt immer kleiner wird.

Wenn Goch künftig tatsächlich in die Haushaltssicherung gerät, werden unangenehme Fragen beantwortet werden müssen:

Was muss die Stadt bezahlen – und was darf oder will sie sich darüber hinaus noch leisten?

Spätestens dann wird bei Vereinen, Kultur, Jugendangeboten, freiwilligen Leistungen und städtischen Veranstaltungen jeder Euro dreimal umgedreht. Den Bürgern werden möglicherweise weitere Steuer- und Gebührenerhöhungen zugemutet. Gleichzeitig soll jetzt eine Geschäftsführerstelle vorangetrieben werden, deren jährliche Gesamtkosten bislang nicht nachvollziehbar öffentlich beziffert wurden.

Eine Haushaltssicherung bedeutet nicht automatisch, dass von einem Tag auf den anderen nur noch gesetzliche Pflichtaufgaben bezahlt werden dürfen. Sie zwingt eine Kommune aber zu einem verbindlichen Konsolidierungskurs. Freiwillige Leistungen, neue Stellen und zusätzliche dauerhafte Ausgaben geraten dann besonders unter Druck.

Gerade deshalb müssen langfristige finanzielle Verpflichtungen bereits heute besonders kritisch geprüft werden.

Verantwortung für politische Entscheidungen

CDU, SPD und FDP haben den Aufbau der eigenständigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft bereits 2022 gemeinsam auf den Weg gebracht. Diese Parteien haben die Entwicklung der Stadt über viele Jahre politisch maßgeblich mitgestaltet.

Wer solche Entscheidungen trifft und politische Mehrheiten dafür organisiert, trägt auch Verantwortung für die langfristigen finanziellen Folgen.

Deshalb reicht es nicht aus, jetzt lediglich mehr Tempo zu fordern. CDU, SPD und FDP müssen den Bürgern nachvollziehbar erklären, warum diese Führungsstruktur notwendig ist und welchen Nutzen Goch davon erwarten kann.

Vor einer endgültigen Entscheidung müssen aus meiner Sicht mindestens folgende Fragen öffentlich beantwortet werden:

  • Wie hoch sind Gehalt, Arbeitgeberkosten und weitere Aufwendungen der Geschäftsführung insgesamt?
  • Welche Aufgaben soll die Geschäftsführung konkret übernehmen?
  • Welche dieser Aufgaben werden bereits vom vorhandenen Team oder von anderen Stellen erledigt?
  • Warum wäre eine unmittelbar beim Bürgermeister angesiedelte Stabsstelle keine ausreichende und möglicherweise günstigere Alternative?
  • Welche messbaren Ziele sollen innerhalb der ersten zwei oder drei Jahre erreicht werden?
  • Wie und durch wen werden diese Ergebnisse kontrolliert?
  • Welche bestehenden Kosten oder Strukturen entfallen im Gegenzug?
  • Was geschieht mit dieser Stelle, wenn Goch tatsächlich in die Haushaltssicherung gerät?

Gute Wirtschaftsförderung braucht mehr als eine Neubesetzung

CDU, SPD und FDP argumentieren, dass eine ausbleibende wirtschaftliche Entwicklung Goch am Ende mehr kosten könnte als eine professionelle Geschäftsführung. Dieser Gedanke ist grundsätzlich nachvollziehbar. Er ersetzt aber keine belastbare Kosten-Nutzen-Rechnung.

Eine zusätzliche Führungsebene schafft nicht automatisch neue Gewerbeflächen. Sie beschleunigt nicht automatisch Genehmigungen und garantiert keine einzige neue Unternehmensansiedlung.

Entscheidend sind verfügbare Flächen, kurze Verwaltungswege, klare Zuständigkeiten, verlässliche Entscheidungen und eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen vor Ort.

Deshalb muss offen verglichen werden, ob eine eigenständige Gesellschaft mit hauptamtlicher Geschäftsführung tatsächlich bessere Ergebnisse erreichen kann als eine Stabsstelle im Rathaus. Erst wenn Aufgaben, Kosten, Ziele und Verantwortlichkeiten vollständig bekannt sind, kann der Rat eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen.

Mein Fazit

Ich bin für eine starke Wirtschaftsförderung in Goch und stelle auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft nicht grundsätzlich infrage. Mir geht es um eine verantwortungsvolle Entscheidung über die Einstellung eines neuen Wirtschaftsförderers beziehungsweise Geschäftsführers. Ich bin dagegen, unter politischem Zeitdruck langfristige und kostspielige Verpflichtungen einzugehen, während die Haushaltssicherung immer näher rückt.

Wenn von Bürgern künftig höhere Steuern, steigende Gebühren oder Einsparungen verlangt werden, muss die Politik zuerst beweisen, dass sie bei den eigenen Strukturen ebenso kritisch hinschaut.

CDU, SPD und FDP sollten deshalb nicht nur Tempo fordern. Sie müssen offenlegen, was die Geschäftsführung dauerhaft kostet, welche konkreten Ergebnisse erwartet werden und weshalb eine günstigere Lösung nicht ausreichen würde.

Erst die vollständigen Zahlen. Erst klare Ziele. Erst ein ehrlicher Vergleich. Dann die Entscheidung.
Lars MorgensternRatsmitglied im Rat der Stadt GochPersönliche politische Stellungnahme

Hinweis zu den Grundlagen des Beitrags

Dieser Artikel ist eine persönliche politische Stellungnahme. Die Angaben zur Haushaltslage beruhen auf den öffentlich zugänglichen Informationen der Stadt Goch. Die Darstellung der Positionen von CDU, SPD und FDP bezieht sich auf deren gemeinsame öffentliche Stellungnahme vom 26. August 2026. Aussagen über mögliche zukünftige Auswirkungen einer Haushaltssicherung sind politische Bewertungen und keine Behauptung, dass einzelne Kürzungen oder Belastungen bereits beschlossen wurden. Stand: 29. August 2026.

Quellen: